Ein naturnahes Flusserlebnis schaffen – Mäander statt Eindeichung und Kanalisierung

Fließgewässer mit naturnahen Uferzonen bieten ein phantastisches Naturerlebnis – gerade auch für Stadtkinder, die heute kaum noch Gelegenheit haben, natürliche Gewässer zu erleben. Aber wenn wir es machen, sollten wir es richtig machen – und wenn das Geld knapp ist, lieber auf kürzeren Abschnitten richtig gut als längere Abschnitte mit seelenloser Kanalisierung und Eindeichung.

Wie wird ein unterirdischer, kanalisierter Fluss zum Naturerlebnis?

Erstens müssen wir ein Mindestmaß an Mäander zulassen oder gestalten. Ein schnurgerader, eingedeichter Kanal bringt weder dem Auge etwas noch der Natur. Zum Mäander gehören auch Altwasser, Tümpel und Sümpfe, die gleichzeitig Lebensräume für Flora und Fauna sowie Retentionsbereiche bieten, die Hochwasserschutz darstellen. Kleine Staustufen können die Fließgeschwindigkeit regulieren und die Wasseroberfläche durch Weiher ausweiten. Wo Deiche unvermeidbar sind, sollten diese mit Bepflanzung und Felsbrocken naturnah gestaltet werden.

Zweitens sollten Wasser, Ufer- und Sumpfzonen erfahrbar werden, beispielsweise durch Bohlenstege, Plattformen und Brücken, die es ermöglichen, die Natur zu beobachten und zu fotografieren. Sitzbänke sollen längeres Verweilen ermöglichen. Bestimmte Stellen, beispielsweise an Stauweihern, können als kleine Strände gestaltet werden, wo man seine Füße kühlen kann und wo Kinder plantschen können. Die Animation von Reicher Haase geht schon in die richtige Richtung, allerdings ist darauf noch zu viel Eindeichung, zu wenig Mäander und zu wenig Sumpf zu sehen.

Drittens sollte die Ufervegetation reguliert werden. Das Zuwuchern des schmalen Flüsschens sollte verhindert werden, ebenso wie die Verschmutzung und Verschlammung durch ein Übermaß an Herbstlaub, das von uferständigen Bäumen in das Wasser fällt.

Viertens sollten Fußwege und Radwege (allerdings mit Vorrang für die Fußgänger) am Fluss entlang führen, um ihn erfahrbar zu machen.

Fünftens sollte Außengastronomie entlang des Flussufers angesiedelt werden. Der Blick von der Terrasse auf das murmelnde Gewässer und die surrenden Libellen stellt auch eine Flusserfahrung dar und bereichert das urbane Leben.

Sechstens wertet das Flüsschen, wenn man alles richtig gemacht hat, die Ufergrundstücke auf. Grundstücke mit Blick aufs Wasser sind besonders wertvoll – vorausgesetzt, der Blick aufs Wasser wird nicht durch Deiche oder Baumreihen verstellt. Und hier liegt die ökonomische Lösung: Eine qualitativ hochwertige Freilegung und Renaturierung kostet Geld. Und das kann man einspielen, indem man Ufergrundstücke für hochwertigen Wohnungsbau verkauft – auch wenn dafür den einen oder anderen Kleingarten opfert. Der Gewinn durch die Flussrenaturierung wiegt solche Opfer auf.

Ein sensibles Thema müssen wir noch ansprechen: Wasser kann auch gefährlich sein. Aber wenn man Kinder von der Natur fernhält, können sie nicht lernen, mit den Gefahren der Natur umzugehen. Lasst Kinder klettern und plantschen!

Prof. Dr. Volker Eichener (Hochschule Düsseldorf / Aengevelt Immobilien)

Platz für Kommentare: