+++ Emanzipative Straßen – Inklusive Urbanität – Mehr Platz für gutes Leben +++

Liebe Düsseldorfer:innen,

unsere Städte sind seit jeher in einem stetigen Wandel. Viel zu lange haben sich unsere Straßen diesem Wandel jedoch entzogen. Seit dem autogerechten Umbau der Städte in den 1950ern/60ern ist nicht mehr viel passiert mit ihnen. Eine 30er-Zone hier und Fahrradwege da: Straßen sind heutzutage in erster Linie Verkehrsorte – für den rollenden oder den ruhenden Verkehr.

Vor der autogerechten Stadt war dies anders und eine Rückbesinnung auf das Potential der Straße als gemeinschaftlicher Lebensraum lohnt sich, um unsere urbane Umwelt aufzuwerten und Nachbarschaft neu zu ermöglichen.

Dazu sollte aus unserer Sicht anstatt dem sog. „erforderlichen“ Verkehr, in erster Linie das Mobilitätsangebot gedacht und geplant werden. Demnach bedarf es einer fußläufig erreichbaren (sozialen) Infrastruktur, multimodalen Verkehrsangeboten und letztlich einer klaren Funktionszuweisung für unsere Straßen.

+++ Was bedeutet das konkret? – Mehr Platz für gutes Leben: Freiraum einfordern und gemeinsam neugestalten! +++

Als Lorettoviertel e.V. wissen wir, dass viele Menschen im Viertel sich mehr Platz für gemeinschaftliches und nachbarschaftliches Erleben wünschen, der für alle frei und kostenlos zugänglich ist. So könnte bspw. in unserem Viertel rund um die Bilker Kirche mit der Lorettostraße eine Straße der Nachbarschaft, der Gastronomie, dem Einzelhandel, den Dienstleister:innen und den Initiativen vor Ort gewidmet sein. Ein Ort, an dem Einzelhandel mehr als Konsum sein kann. Einen Ort mit Freiraum, so dass beispielsweise Einkaufen im Viertel eine Mischung aus Besorgungen, Flanieren und Entdecken ist. Dafür bedarf es Raum.

Mit den Flächen rund um die Bilker Kirche, die im vergangenen Jahr den „Platz für gutes Leben“ als Pop-up Platz für ein Wochenende beherbergten, könnte ein Scharnier zwischen Lorettostraße und Bilker Allee entstehen, das für den Stadtteil eine neue Mitte stiften könnte – und nein: Für uns sind die Bilk Arcaden keins.

Die Flächen an der Bilker Kirche böten genügend Platz, einen neuen Stadtbaustein aufzunehmen – einen überraschenden Ort, ein Ort erdacht von den Menschen, die in seinem Einzugsgebiet wohnen.

Unsere Idee ist, diesen entstehenden Freiraum in einem gemeinschaftlichen Prozess unter Mitwirkung von Anwohner:innen und Gewerbetreibenden neu zu entwickeln. Keine formalisierte Planung, sondern eine gemeinsame Planung als Teil einer selbstermächtigenden Stadt.

Der Stadtbaustein soll ein inklusiver Ort sein, der ohne finanzielle Hürden genutzt werden kann. Ein Ort für Phantasie und Kreativität, für Kunst und Kultur im Stadtteil. Er soll dem Paradigma „Stadt als Schwamm“ folgen und das Mikroklima durch seine Gestalt öffentlichkeitswirksam verbessern. Er soll generationengerecht sein. So einen Ort wünschen wir uns für unser Viertel, einen dauerhaften Platz für neues (Er)leben als Viertelzentrum und als Verwirklichungsraum der oben genannten Punkte.

Als Lorettoviertel e.V. möchten wir den begonnen Prozess „Mehr Platz für gutes Leben“ weiter vorantreiben und den Dialog zwischen Stadtverwaltung, Anwohner:innen, Gewerbetreibenden und Politik weiter begleiten. Damit möchten wir als Viertelverein einen aktiven Beitrag leisten, unseren Nachbarschaftsraum als einen Stadtbaustein gemeinsam neu zu denken und mit zu entwickeln.

+++ Welche Vorbilder gibt es? +++

In Barcelona, der Geburtsstadt der Stadtplanung, erfolgt derzeit Spannendes: Eine klare Hierarchie (sog. „Super Blocks“) ermöglicht eine abwägende und Interessen ausgleichende Neuverteilung des Straßenraums.

Eine untergeordnete Straße muss nicht aussehen, wie die „kleine Schwester“ der Hauptverkehrsstraße – auch nicht entfernt. Mit einer klaren Zuweisung von Funktionen bedarf es gar nicht allzu viel Mut, untergeordnete Straßen anders zu denken.

In Barcelona wurde so bspw. der stationäre Einzelhandel gestärkt und Raum für Nachbarschaften gestaltet. Der motorisierte Individualverkehr wird sicherlich nicht gefördert in Barcelona, aber bspw. die verkehrlichen Belange des Handwerks bleiben berücksichtigt.

Das System der Hierarchiesierung basiert auf dem in Barcelona vorfindlichen städtebaulichen Raster, das es in Düsseldorf bisher nicht in der Art gibt. Computerbasiert (GIS) könnte dies, unter Beachtung der relevanten Hauptverkehrsstraßen, leicht adaptiert werden.

+++ Chancen für die Stadt +++

Erhalten die Düsseldorfer Straßen generell entsprechende Funktionszuweisungen, die auf den tatsächlichen Bedarf und eine zukunftsgerichtete Mobilitätspolitik ausgerichtet sind, erhoffen wir uns, dass alle Viertel solche Stadtbausteine identifizieren und gestalten können.

´+++ Kommen Sie mit uns ins Gespräch +++

Wenn Sie Fragen haben, Lust haben mit uns ins Gespräch zu kommen oder mitzuwirken, sprechen Sie uns gerne an: info@lorettoviertel.de

Im Namen des Lorettoviertel e.V.

Der Vorstand

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