Beteiligung als Element einer vielfältigen Stadtentwicklung der Zukunft.

Es ist schön zu sehen, dass es mittlerweile die Möglichkeit gibt, sich als BürgerIn an der Gestaltung einer Stadt zu beteiligen, Wünsche zu äußern und Bedenken zu benennen.
Und doch tauchen Fragezeichen auf: Wer nimmt hier eigentlich Teil und wozu kann ich mich eigentlich fachlich adäquat äußern? Die Problematik wird sehr deutlich entlang der hier in einigen Themenblöcken geführte Debatte rund um das Thema Hoch- und Tiefbau: Ab Mitte Februar tauchten auf einmal sehr viele kurze Posts auf, die für Hochhäuser warben, kurz darauf schienen mehrere Personen darauf zu reagieren indem sie sich für Tiefbauprojekte aussprachen und den Verfassern der Hochhaus_Posts vorwarfen, als InteressensvertreterInnen aus der Projektentwicklung das Beteiligungsverfahren zu kapern und im eigenen Interesse zu gestalten. Ob dem so ist lässt sich aufgrund des offenen Verfahrens ohne Anmeldung leider nicht nachweisen. Deutlich wird jedoch: Dieses Format ist möglicherweise für einen Austausch darüber, wie sich Düsseldorf in Zukunft entwickeln könnte nicht ideal.

Dies soll kein Vorwurf an die Verantwortlichen sein – im Gegenteil: es ist großartig, dass die Stadt Düsseldorf immer öfter versucht, BürgerInnen mit in den Dialog einzubeziehen und anerkennt, dass es wichtig ist ihre Eindrücke zu berücksichtigen und sie an der Gestaltung ihrer Lebensräume zu beteiligen.
Wichtig ist jedoch auch, sich einzugestehen, wo es noch hakt, sich kritisch die Frage zu stellen, wer an einem solchen Onlineangebot überhaupt teilnimmt, wie viele Menschen über welche Kanäle davon mitbekommen, wer kategorisch ausgeschlossen wird und wie sich die TeilnehmerInnen eigentlich konstruktiv äußern und austauchen können. Natürlich erschwert die pandemische Situation einen solchen Prozess – doch auch andernfalls stellt sich die Frage: Wer kommt zu den sonst organisierten Veranstaltungen? Welche Rolle spielen die BürgerInnen hier?

Städte verändern sich fortwährend und das Dilemma städtebaulicher Entwicklungskonzepte ist immer, dass sie einerseits wichtig sind, um planerische Rahmenbedingungen abzustecken, andererseits meistens dann, wenn sie umgesetzt werden, bereits veraltet sind. Doch gerade die fortlaufende und umfassende Beteiligung von BürgerInnen kann hier möglicherweise entgegen wirken und dabei helfen, Städte auch langfristig gesellschaftlichen Transformationsprozessen anzupassen.
Nun stellt sich die Frage: wie ist fortwährende Mitgestaltung durch die Bürgerinnen und Bürger möglich, wie kann der Diskurs um die Gestaltung der Stadt in die Stadt getragen werden, ausprobiert und gelebt werden? Hierauf gilt es Antworten zu finden! In der Regel werden Beteiligungen als Mittel zum Zweck in konkreten Verfahren eingesetzt. Aber vielleicht hat eine Beteiligungskultur auch jenseits dieser Prozesse selber einen Zweck.

Wie müssen wir eine Stadt bauen, die Beteiligung durch die verschiedensten Akteure einer Stadt fördert und städtische Vielfalt ermöglicht? Welche (öffentlichen) Räume brauchen wir dafür? Welche Rolle spielt die Kunst- und Kulturszene in einem solchen Aushandlungsprozess? Wie wichtig ist eine Neudeutung der Innenstadt jenseits des Konsums, um die Frage „Wie wollen wir eigentlich in Städten leben“ in all ihrer Vielfalt beantworten zu können? Wie können wir fair und vielleicht auch mit einer gewissen Leichtigkeit Städte gemeinsam gestalten?

Wäre das nicht spannend mitzudenken? Bürgerbeteiligung nicht nur als Element des Raumwerk D Prozesses, sondern als Aufgabe der zukünftigen städtebaulichen Entwicklung, die es schafft gelebte und gebaute Stadt fortwährend miteinander zu Verknüpfen.

Mit besten Grüßen,
Leonie Wendel

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2 Antworten

  1. Ein hervorragender Beitrag, der sehr treffend anerkennt, was im Rahmen von Raumwerk D geleistet wurde aber auch interessante Perspektiven aufzeigt, inwieweit es noch Potential für eine weitere Stadtentwicklung nicht nur für, sondern auch mit den Bürgerinnen und Bürgern gibt.

  2. Auch ich möchte mich hier anschließen und mich einmal für die Möglichkeit bedanken, dass man an der Stadtplanung und weiteren Entwicklung so aktiv teilhaben kann. Das gibt es wohl nur hier in so einem Ausmaß und dafür schätze ich die Planungsteams und alle Beteiligten drumherum so!
    Zu einem Punkt muss ich mich hier äußern! Der wäre, dass man, wenn man sich alle Beiträge von Anfang an durchließt, immer mal wieder Hochhausvorschläge gekommen sind. Mal rein auf Hochhäuser abgestimmt, mal eher in Fusion mit anderen Projekten. Das Thema war also durchgängig auch in anderen Raumbildern vertreten und scheint auch auf Zustimmung zu stoßen. Das Thema Tiefbau hingegen ploppte Mitte Februar kurz auf. Als auf die negativen Aspekte reagiert wurde, hat (vermutlich eine Einzelperson) sich dann mehr und mehr darauf konzentriert, eben Hochhäuser nieder zu machen ohne jegliche Beweggründe und verwies überall nur auf Investoren o.ä. Viele Projektteams bzw. Architekten haben ihre Kürzel ja angegeben, wenn Sie einen Beitrag gepostet haben. Ich finde, dass in dieser Runde sehr viele Beiträge gepostet wurden, die der weiteren Planung sehr helfen werden. Viele verschiedene Raumbilder, Meinungen, Schwerpunkte, Projekte, Hinweise, Bedenken, Pros und Contras, Unterstützungen, Zustimmungen und vieles mehr sind hier beinhaltet. Wenn man von all diesen Sachen das bestmögliche umsetzt, so wird man die nächsten Aufgaben erfolgreich angehen und meistern können. Ich bin sehr gespannt, was uns in Düsseldorf in den nächsten Jahren alles erwarten wird. Ich für meinen Teil erhoffe mir so einiges aus der Befragungsrunde und wünsche mir, dass man jetzt endlich mal die Planungsteams, Architekten, den Hochhausbeirat, Garten- und Landschaftsbauer und eventuelle Investoren mit ins Boot holt und schnellstmöglich startet. Mittlerweile sollte genügend Feedback vorhanden sein um Gestaltungen und Projekte auf den Weg bringen zu können und auf Kompromisse aus den Raumbildern eingehen zu können.

    Danke für alles und beste Grüße

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