Ausgewogener Mix statt „mix to the max“ (IHK Düsseldorf)

Welche Qualitäten kann die äußere Stadt zukünftig haben, die die Kernstadt nicht hat?
und
Wie kann eine behutsame Nachverdichtung und gelungene Nutzungsmischung aussehen?

Die äußere Stadt – also der Bereich zwischen Kernstadt und Stadtrand – bietet aufgrund seiner Struktur und Merkmale viele andere Optionen als die Entwicklung der Kernstadt. Wichtig ist, dass beide Räume für Düsseldorf hochrelevant sind. Für die künftige Stadtentwicklung gilt es – auch aufgrund des lokalen Flächendrucks -, diesen Bereich zu qualifizieren und nachzuverdichten.
Dabei sind für diesen Raum typische Nutzungen wie Wohnen, Handel, Handwerk und Produktion, Gastronomie, Erholen aber auch Verkehr so zu verzahnen, dass sich ein lebenswerter Raum für alle mit möglichst wenig Nutzungskonflikten ergibt. Die äußere Stadt kann als Ort der Mischung und des Nebeneinanders wichtiger Teil einer funktionsfähigen urbanen Stadt sein. Nicht jedoch darf die Nutzungsmischung nach der im früheren Raumwerk-Prozess bereits propagierten Maßgabe „mix to the max“ ausgerichtet werden. Produktionsstandorte mit den „wildesten Mischungen“ sind aus Sicht der IHK weder sinnvoll noch realistisch, da sie emittierenden Gewerbe- und Industriebetrieben die Existenzgrundlage entziehen und Entwicklungsmöglichkeiten nehmen. Somit reicht das Prinzip der Mischung lediglich bis zu einer bestimmten Schwelle; etliche Bereiche der Stadt sind nach wie vor durch robuste gewerblich/industrielle Nutzungen genkennzeichnet (z.B. Rath, Oberbilk, Reisholzer Hafen, weitere Standorte im Düsseldorfer Süden, etc.) und sollten dies auch bleiben. Kurz gesagt sind produktive Räume beziehungsweise Cluster trotz des Wohnungsdrucks zu erhalten und mit Entwicklungspotenzial zu versehen.
Die äußere Kernstadt zeichnet sich dabei im Gegensatz zu weiten Teilen der Kernstadt durch einen erheblichen Anteil Wohnnutzung aus. Dabei ist aus Sicht der IHK auf eine Vielzahl von Wohntypologien zu setzen, um den unterschiedlichen Ansprüchen der Einwohner gerecht zu werden. Da nur begrenzt Flächen verfügbar sind, ist dabei auch eine Entwicklung in die Höhe anzustreben, insbesondere in Form nutzungsgemischter Hochhäuser.
Weiterhin unterscheidet sich die äußere Stadt dadurch von der Kernstadt, dass die zahlreichen Düsseldorfer Quartiere sehr individuell sind und in vielerlei Hinsicht (Stadtteilzentren, Naherholung) eigene Qualitäten aber auch Probleme (Verkehrsbelastung) haben. Die individuellen Stärken der Quartiere sind jeweils hervorzuheben zu stärken.
Darüber hinaus bietet die äußere Stadt in anderer Form Erholungsmöglichkeiten und -flächen für die Düsseldorfer. Diese sind wichtig für Menschen und im Zuge einer angemessenen Mischung mit anderen Nutzungen zu erhalten, da sie auch wichtige Punkte der Begegnung sind. Gleiches gilt für die Stadtteilzentren, die einerseits der Versorgung der Bevölkerung dienen und andererseits Treffpunkte für nahezu alle Bevölkerungsschichten sind. Somit sind sie das Herz der Stadtteile. Es ist alles dafür zu tun, dass sie diese Rolle beibehalten können und weiterhin einen ausgewogenen Mix zwischen Handel, Gastronomie und Dienstleistungen bieten, damit sie für die Nachbarschaft Zentren bleiben und auch zur Identifikation mit dem eigenen Stadtteil beitragen.
Vor dem Hintergrund der gesamtstädtischen Mobilität kann die äußere Stadt dazu beitragen, die Kernstadt von einer steigenden Verkehrsbelastung zu entasten. Beispielsweise, indem an Mobilitäts-Hubs bzw. -stationen Verkehre vom Pkw auf die Schiene oder Radwege verlagert werden. Verkehrsgünstig gelegene Standorte in der äußeren Stadt, die klassische Einfallstore für den Verkehr sind, bieten sich dafür an.
Wenn von einer Nachverdichtung die Rede ist, muss beachtet werden, dass diese nicht zwingend ausschließlich auf eine Wohnnachverdichtung ausgerichtet werden muss; es gibt sehr wohl auch gewerbliche Nachverdichtung. Bei einer – wie auch immer gelagerten Nachverdichtung – ist zu beachten, dass Konflikte zwischen unterschiedlichen Nutzungen vermieden werden. Häufig betrifft das gewerbliche oder industrielle Nutzungen, die durch heranrückende Wohnbebauung beeinträchtigt werden. Wie schon dargestellt, kann die Mischung dabei nicht an dem Grundsatz „mix to the max“ orientiert werden. Durchaus sind „Cluster“ gleicher Nutzungen im Bereich des Gewerbes, der Industrie oder dem Einzelhandel notwendig und anzustreben – Gewerbe- und Industriebetriebe brauchen Raum in der Stadt. Aufgrund der Flächenknappheit ist dabei nicht nur im Wohnbereich die „dritte Dimension“ mitzudenken; auch Büro- und Gewerbe- sowie gemischt genutzte Immobilien sind mehrgeschossig nutzbar, auch als Hochhäuser, deren Entwicklung aus Sicht der IHK zu forcieren ist.

Wie können sich verschiedene Nutzungen wie Wohnen, Handwerk, Sportflächen usw. nebeneinander und gemeinsam entwickeln?

Hinsichtlich der gewünschten Etablierung eines ausgewogenen Mixes sind sowohl rechtliche Vorgaben als auch individuelle Anforderungen und Schutzbedürfnisse einzelner Nutzungen zu beachten. Um neue Lösungen für die Vereinbarkeit zu finden, sind aus Sicht der IHK auch neue Wege möglich, um insbesondere den Rechtsrahmen progressiv auszulegen. Denn Dinge anders zu machen heißt auch, mutig zu sein und sich nicht von vornherein bestehender Gestaltungsmöglichkeiten zu berauben. Der gegebene rechtliche Rahmen etwa in Planungsangelegenheiten, im Baurecht, aber auch bei der Nutzung von Gebäuden und Anlagen (etwa Emissionsschutz, Gestaltungs- und andere Bausatzungen oder Denkmalschutz) muss selbstverständlich ausgeschöpft werden. Die Stadt sollte Normen bei der Überarbeitung oder Schaffung von Satzungen weit auslegen. Darüber hinaus sollten – wenn der Erfolg neuer Ideen nicht absehbar ist oder der Widerstand gegen ihre Umsetzung anders nicht überwindbar scheint – sogenannte Reallabore geschaffen werden. Dies heißt, zunächst zeitlich, räumlich und inhaltlich begrenzt gesetzliche Öffnungsklauseln konsequent zu nutzen. Dies kann durch städtische Satzungen oder im Rahmen privatrechtlicher Vereinbarungen zwischen den betroffenen Nutzern geschehen. So bestünde in einzelnen Quartieren oder auch nur einzelnen Objekten die Möglichkeit, neue Nutzungsformen zu erproben und sie nach einer zeitnahen Überprüfung verbreitet zu übernehmen oder bei Misserfolg auch wieder zu verwerfen.
Darüber hinaus kann eine räumliche Durchmischung unterschiedlicher Nutzungsarten daher nur dann ausgebaut werden, wenn alle Beteiligten zeitig in die entsprechenden Planungen eingebunden werden.

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