Das Klimanetz setzt Klimaanpassung um (Einschätzungen des Handwerks)

Leider fehlt bei diesem Ansatz die Definition des „Klimanetzes“. Was darunter verstanden werden kann, lässt sich allenfalls indirekt durch die bildliche Darstellung erschließen. Die Handwerkskammer ist der Auffassung, dass ein Klimanetz im Sinne einer Vernetzung unterschiedlichster Maßnahmen der Steigerung der Lebensqualität und der Verbesserung des Stadtklimas dient. Um dem Klimawandel auf lokaler Ebene entgegenzuwirken bzw. sich dem Wandel anzupassen, bedarf es in der Tat einer Gesamtstrategie, die viele ineinandergreifende Maßnahmen bündelt und miteinander verbindet. Einzelmaßnahmen, wie vereinzelte Dachbegrünungen oder Ähnliches werden nicht ausreichen, um beispielsweise eine Abkühlung in Tropennächten zu erreichen und urbanen Hitzeinseln entgegenzuwirken.

Werden Maßnahmen wie bspw. Stadtkühlung, Regenwassermanagement, Einsatz von Photovoltaik, Solarthermie außerdem derart umgesetzt, dass hierdurch auch eine Aufenthaltsqualität entsteht oder Flächen und Räume gleich in mehrfacher Hinsicht genutzt werden können (z.B. zeitversetzt, durch verschiedene Nutzer/Nutzungen), lassen sich Mehrwerte vervielfachen.

Das Handwerk und die Landeshauptstadt Düsseldorf haben sich beginnend im Jahr 2016 für die Umsetzung des städtischen Klimaschutzes mit dem „Masterplan Klimaschutz“ fortlaufend eine gemeinsame Agenda gegeben. Dabei wird bereits aufgegriffen, was wir auch bei der Umsetzung von klimagerechten Strukturen (auch in bereits dicht bebauten Gebieten) für essentiell halten: Optimierung betrieblicher Energie- und Ressourcenverbräuche durch Energieeinsparung, Modernisierung von Gebäuden und Gebäudetechnik, die verstärkte Nutzung von Solarenergie bis hin zu mehr Elektromobilität (vgl. Kreishandwerkerschaft Düsseldorf u. Landeshauptstadt Düsseldorf o.J. i.V.m. Handwerkskammer Düsseldorf o.J.: „Masterplan Klimaschutz“). Das Handwerk liefert also die fachliche Expertise für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen.

Bezogen auf die Flächenpolitik sind – auch aufgrund der Bestrebungen zum Klimaschutz und der Klimaanpassung – Nachverdichtung und ein sparsamer Umgang mit Fläche inzwischen konstante Prämissen geworden. Das begrüßen und unterstützen wir im Grundsatz. Eine (immer) dichte(re) Bebauung kann aber stadtklimatisch kontraproduktiv sein, wenn Frischluftschneisen überplant werden, Freiflächen verschwinden und stattdessen Hitzeinseln entstehen. Gleichzeitig wirkt sich fehlende Durchlüftung an verkehrsintensiven Standorten negativ auf die Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Konzentration aus.

Wir möchten bei der Erstellung eines Klimanetzes aber nicht nur die dicht besiedelten Stadträume in den Blick nehmen, denn beispielsweise Hitzeinseln entstehen nicht nur in Wohngebieten. Auch in Gewerbelagen sind Klimaanpassungsmaßnahmen denk- und umsetzbar. Im „Masterplan Klimaschutz“ hat sich das Handwerk dazu verpflichtet, hinsichtlich der Energieeffizienz auf eine Optimierung der eigenen Betriebsstätten hinzuwirken (vgl. ebd.).

Außerdem müssen Gewerbegebiete nicht im Widerspruch zu durchgrünten Quartieren mit Aufenthaltsqualität stehen, wobei wir aber von Seiten der Wirtschaft folgende Entwicklung mit Sorge beobachten: Untersuchungen zeigen, dass bei der Neuausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen die reale Flächenverfügbarkeit aufgrund von Maßnahmen der Flächenkompensation im Plangebiet und grünplanerischen Vorgaben abnimmt (vgl. dazu u.a. Handwerkskammer Münster und IHK Nord Westfalen 2014: „Flächensparend kompensieren“; IHK Mittlerer Niederrhein 2020: „Kompensationsmaßnahmen flächensparend gestalten. Wirtschaft stärken, Umwelt schützen“). Dies ist aus Sicht des Handwerks aufgrund der sinkende Flächenverfügbarkeiten für Gewerbe und Industrie durch flächensparende Kompensierung zu verhindern. Denkbar ist hier zum Beispiel die ökologische, naturnahe Aufwertung von baulich notwendigen Anlagen, wie Schallschutzwänden und -wällen oder Versickerungsanlagen. Auch für Dachbegrünungsmaßnahmen bestehen große Flächenpotenziale und vielfältige Vorteile wie zum Beispiel Schutz vor Hitze, Trockenheit und Kälte und damit verbunden Energieeinsparungen. Dabei raten wir allerdings von einer verpflichtenden Vorgabe ab, um die ohnehin oft schwierige Suche nach Gewerbeflächen nicht noch weiter zu erschweren.

Handwerkskammer Düsseldorf und Kreishandwerkerschaft Düsseldorf

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