Der zentrale Entwicklungsraum ist der Siedlungsbereich zwischen Kernstadt und Stadtrand (Einschätzungen des Handwerks)

Der Siedlungsbereich zwischen Kernstadt und Stadtrand bildet bei großflächiger Betrachtung ein Mosaik. Auf größerer Maßstabsebene wird das Mosaik zu getrennten Einheiten, die sich in Wohngebiete, gemischte Gebiete, Gewerbegebiete und Industriegebiete aufteilen. Entwicklungspotenziale liegen unseres Erachtens aber nicht ausschließlich in dem Siedlungsbereich zwischen Kernstadt und Stadtrand (Pufferzone). Auch Kernstadt und Stadtrand selbst bieten unzählige Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist das Nebeneinander, das Ineinandergreifen, das Wahrnehmen der unterschiedlichen Funktionen, das Sich-Ergänzen der unterschiedlichen Stadtbereiche, das sich zu einem gemeinsamen Ganzen zusammenfügt.

Im Vergleich zur Kernstadt stellt sich der Bereich zwischen Kernstadt und Stadtrand aber heterogener dar: Neben vielen auch in der Innenstadt vorhandenen Funktionen (die sich weniger konzentriert darstellen), ist hier das Wohnen häufiger verortet und es finden sich vermehrt Standorte von Gewerbe und Industrie. Da Verdichtung und Urbanität noch nicht so weit vorangeschritten sind, ergeben sich hier Potenziale für die Umsetzung des Leitbilds der „Stadt der kurzen Wege“. Nutzungsmischung ist dabei Ausdruck von Urbanität: Quartiere werden belebt, können sich individuell entwickeln und eine eigene Identität herausbilden. Zugleich ist sie Grundvoraussetzung für eine Stadt der kurzen Wege und die angestrebte Umverteilung des MIV zugunsten des Umweltverbunds. Stadt und Quartier werden durch eine gelungene Nutzungsmischung kurz gesagt lebenswert, nachhaltig und – was sich in der Corona-Pandemie als besonders wichtig herausstellt – widerstandfähig, weil breit aufgestellt.

Wie sollen nun Nachverdichtung und eine gelungene Nutzungsmischung nach unserer Auffassung aussehen? Eine Herausforderung bei der Gestaltung des Siedlungsbereiches zwischen Kernstadt und Stadtrand wird aus Sicht des Handwerks sein, die vorhandenen Flächenpotenziale bzw. eine Nachverdichtung angesichts des Drucks auf den Wohnungsmarkt nicht überwiegend für die Realisierung von Wohnraum zu nutzen. Dies schlägt sich auch im bisherigen Raumwerk-D-Prozess nieder, der sowohl hinsichtlich vier Raumbilder aus dem Jahr 2020, als auch bei der nun vorgelegten Auswertung der Onlinebeteiligung aus April/Mai 2020 vorwiegend eine Nachverdichtung für Wohnraum in den Blick nimmt. Außerdem sehen wir – wie bereits im Verfahren vorgebracht – derzeit in Düsseldorf bei der Nachnutzung ehemaliger Gewerbeflächen als auch in Blockinnenbereichen einen „Trend zu Entmischung“ (zugunsten von Wohnen). Diese Beobachtung stützen wir auf die Sichtung der TÖB-Beteiligungsverfahren in der Bauleitplanung, auf die Recherche der den Bezirksvertretungen vorgelegten Bauvoranfragen/Anträgen auf Baugenehmigung sowie auf die Beratungsfälle unserer Standortberatung. Aufgrund dieser Erfahrung haben wir dazu eine wissenschaftliche Untersuchung beauftragt, die dies wissenschaftlich für die Stadtteile Bilk und Flingern belegt (vgl. Universität Duisburg/ Essen 2019 „Urbane Mischung: Standortsicherung für das Handwerk“).

Deshalb gilt es entsprechend nachzujustieren: Der Verlust des Bestehenden ist einer möglichen neuen (Wohn-)Nutzung kritisch gegenüberzustellen Es ist auf den Erhalt einer bestehenden und funktionierenden Nutzungsmischung hinzuwirken, denn über Jahre gewachsene Kundenbindung, Verwurzelung im Quartier, Synergien mit anderen Nutzungen vor Ort lassen sich andernorts schwerlich neu generieren. Die Sicherung/der Schutz bestehender Nutzungsmischung (nicht zu verwechseln mit einer Konservierung) sollte daher mehr in den Blick genommen werden. Hilfreich wäre hierbei eine Umfeldanalyse ggf. unter Einbeziehung ortskundiger Akteure (z.B. Handwerksbetriebe, Kammern) und vorhandener Daten (z.B. GIS).

Außerdem muss im Sinne einer „Stadt der kurzen Wege“ Nachverdichtung in urbanen Quartieren auch durch Ansiedlung von produzierendem Gewerbe und/oder Dienstleistern erfolgen. Bei allen Bemühungen zum Flächensparen, die unsere Unterstützung finden, sind wir gleichwohl der Auffassung, dass Nachverdichtung mit Augenmaß umzusetzen ist und nicht durch ein „mix to the max“.

Gemischt genutzte Stadtteilzentren und Quartiere außerhalb der Kernstadt werden im Zuge/Nachgang der Corona-Pandemie sicherlich mit vielen Herausforderungen konfrontiert sein. Zu befürchten ist ein massives Ausdünnen der Einzelhandels-, Gastronomie- und Dienstleistungsangebote. Als Orte der Nahversorgung, als Arbeitsstätte, als Treff- und Identifikationspunkte der Anwohner gilt es, ihre Funktion zu erhalten und zu stärken. Dieses Anliegen trägt auch die Politik mit, wenn sie in der Kooperationsvereinbarung formuliert: „Wir wollen eine nachhaltige Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Grün- und Freiflächen sowie Industrie bewahren und einzelne Stadtteile nicht zu reinen Wohnquartieren umwandeln“. (CDU Düsseldorf u. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Düsseldorf 2021: „Gestaltungsbündnis für ein zukunftsfestes Düsseldorf. Kooperationsvereinbarung […]“, S.52).

Andere Maßstäbe müssen aus Handwerkssicht allerdings bei der Nachverdichtung und Nutzungsmischung in Gewerbelagen gelten: Hier sind die Grenzen der Nutzungsmischung anzuerkennen, denn diese lässt sich nicht allerorten (wohnverträglich) umsetzen. Dort muss der konsequente Schutz von emittierendem, nicht wohnverträglichem Gewerbe vor eindringenden empfindlichen Nutzungen im Mittelpunkt stehen.

Die im Gewerbe- und Industriekernzonenkonzept ausgewiesenen Gewerbe- und Industrielagen sind ausnahmslos zu schützen, da hier Nutzungen ansässig sind, die aufgrund ihres Emissionsverhaltens auf gewisse Abstände zu schützenswerten Nutzungen angewiesen sind (vgl. Landeshauptstadt Düsseldorf (Hg.) 2019: „Gewerbe- und Industriekernzonen. Flächenstrategie für produktions- und handwerksgeprägte Branchen“). Außerdem handelt es sich um Flächen, für die es einen breiten Konsens für einen Erhalt gibt. Ein sukzessives „Abknapsen“ ebendieser Flächen zugunsten anderer Nutzungen führt zu einer „Verinselung“ der Gewerbe- und Industrielagen vor Ort und birgt zudem die Gefahr, dass das Konzept seine Bindungswirkung im Zuge gerichtlicher Überprüfungen verliert. Also: Das Gewerbe- und Industriekernzonenkonzept ist ausnahmslos anzuwenden.

Wir möchten allerdings darauf dringen, den Flächenschutz für Gewerbe und Industrie nicht ausschließlich auf die bisher im Gewerbe- und Industriekernzonenkonzept verankerten Flächen zu verengen. Nicht genug Beachtung gefunden haben darin nämlich bisher Flächen, die sich für die Ansiedlung von nicht erheblich belästigenden (Handwerks-) Betrieben eignen. Dies zeigt sich u.a. daran, dass Flächen der „Kategorie D“ (Entwicklungszonen gemischter Nutzungen) noch nicht abschließend benannt sind (vgl. ebd., S.19f). Aufgrund des langfristigen Zeithorizonts des Raumwerk D halten wir die Ergänzung des Gewerbe- und Industriekernzonenkonzepts um die zuvor genannten Punkte für sinnvoll.

Wie kann ein Nebeneinander von verschiedenen Nutzungen wie Wohnen, Handwerk, Sportflächen usw. nebeneinander und gemeinsam gelingen? Das Handwerk teilt die Auffassung, dass die Flächenverfügbarkeit insgesamt abnimmt, und dass mit dem begrenzten Gut „Boden“ sparsam umzugehen ist. Die Stadt Düsseldorf wird sich künftig weitgehend im Bestand entwickeln müssen. Wir setzen uns daher (wie oben bereits genannt) für eine Nachverdichtung durch Nutzungsmischung in urbanen Wohnquartieren ein, um entmischten (Wohn-)Quartieren im Sinne der Stadt der kurzen Wege zu begegnen.

Dabei sind aus Handwerkssicht aber die bestehenden Nutzungsstrukturen und Betriebsstandorte sachgerecht zu berücksichtigen. Werden Schutzansprüche des Gewerbes nicht hinreichend gewürdigt und/oder dringen vorrangig Wohnnutzungen ein, drohen gewerblichen Emittenten Einschränkungen des Betriebs und dessen Entwicklungsmöglichkeiten (z.B. durch höhere Immissionsschutz-Auflagen bei heranrückendem Wohnen). Dringen Wohnnutzungen über Gebühr in Mischgebiete oder gar Gewerbegebiete ein, droht der Gebietscharakter in Richtung Wohngebiet oder Mischgebiet zu kippen. In Kombination mit bodenrechtlichen Spannungen, die sich aus verhältnismäßig höheren Grundstückspreisen für Wohnbauland im Vergleich zu gewerblichen Flächen mit geringerer Flächenproduktivität ergeben, kann es zu einer Verdrängung von (Handwerks-)Betrieben kommen. Der Leitsatz für ein gelungenes, möglichst konfliktarmes Nebeneinander muss daher lauten: „Mischen, da wo möglich; trennen, da wo nötig“.

Dabei sind folgende Fragen in den Fokus zu rücken: Wie können Mischnutzungen in Wohngebieten integriert, wie Lärmemissionen durch geschickte Gebäudeanordnung minimiert, wie Gewerbelagen in die Höhe gedacht, wie Blockinnenbereiche nachverdichtet werden, sodass Gewerbe, Wohnen, Erholung auf engem Raum existieren können?

Nutzungsmischung gelingt unseres Erachtens auch dann, wenn die bereits vorhandenen Instrumente sachgerechter und konsequenter angewendet werden, um Möglichkeiten zu schaffen, u.a. wohnortnah und wohnverträglich zu produzieren. Die Handwerkskammer hat sich hierzu jüngst bei der Erarbeitung und Zusammenfassung von „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Gewerbelärm bei heranrückender Wohnbebauung“ des Umweltministeriums NRW eingebracht (siehe dazu Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.) 02/2021: „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Gewerbelärm bei heranrückender Wohnbebauung“).

Um Nutzungsmischung erfolgreich umzusetzen, sollten aber auch Ermessensspielräume im Bauordnungsrecht oder bei städtischen Satzungen im Sinne des produzierenden Gewerbes genutzt werden (z.B. hinsichtlich Baugenehmigung, Nutzungsgenehmigung, Stellplatzablöse o.ä.) – natürlich unter Wahrung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes. Hierbei kann es sich beispielsweise um die Erprobung neuer (gemischter) Nutzungsformen im Feldversuch handeln.

Was eine Nachverdichtung und Nutzungsmischung in Gewerbelagen betrifft, ist dies unseres Erachtens vorwiegend durch die Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben umzusetzen. Dabei kann auch in die Höhe gedacht werden. Sofern es ausdrücklich um die Umsetzung einer Nutzungsmischung geht, wäre hier vereinzelt der Mix mit Freizeitstätten und kulturellen Einrichtungen denkbar. Aus immissionsschutzrechtlichen Gründen bieten sich diese vor dem Hintergrund der Standortsicherung an, sofern es hierdurch nicht zu einer weiteren Verknappung von Gewerbe- und Industrieflächen für das produzierende Gewerbe kommt. Wohnnutzungen dürfen hier nicht Eindringen (siehe dazu die Ausführungen oben).

Handwerkskammer Düsseldorf und Kreishandwerkerschaft Düsseldorf

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