Die Kernstadt als Motor der Stadt (Einschätzungen des Handwerks)

Die Kernstadt ist Nukleus von Urbanität und Verdichtung, sie ist weitgehend baulich gefestigt. Hier sind unter anderem Handel, Gastronomie, Dienstleistungen, Tourismus/öffentlicher Raum, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Wohnen, Arbeitsstätten, Verkehrsknotenpunkte sowie zentrale Schaltstellen von Wirtschaft, Politik, Verwaltung auf engem Raum konzentriert.

Wir sind der Auffassung, dass alle diese Funktionen auch künftig in die Kernstadt gehören und sie weiter prägen werden. Allerdings hat die COVID-19-Pandemie in Teilen bereits vorhandene Innenstadtentwicklungen beschleunigt und verschärft, wie zum Beispiel die Zunahme des Online-Handels, Bedrohung durch Leerstände in Handel und Gastronomie, Zunahme von Homeoffice anstatt Büroarbeit. Der Einzelhandel wird dort weiter maßgeblich sein, wichtig ist unseres Erachtens aber ein breiter Angebotsmix, um Belebung und Frequenzen sicherzustellen (und wohl v.a. in den Nebenlagen eine Abwärtsspirale zu bremsen/verhindern).

Wie auch in der Kooperationsvereinbarung der Ratskoalition angestrebt, soll der Charakter der unterschiedlichen Innenstadtquartiere nicht verloren gehen (vgl. CDU Düsseldorf u. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Düsseldorf 2021: „Gestaltungsbündnis für ein zukunftsfestes Düsseldorf. Kooperationsvereinbarung […]“, S. 51). Die Resilienz der Kernstadt hängt daher u.E. auch maßgeblich von einer gewerblichen Nutzungsmischung ab, in der urban produzierende Betriebe proaktiv mitgedacht werden müssen. Gewerbe darf nicht monoton als bspw. Büronutzung verstanden werden. Für uns ist dabei durchaus vorstellbar, dass sich für urban produzierendes Handwerk (über das Ladenhandwerk hinaus) punktuell durch mögliche Leerstände Chancen für eine Ansiedlung in der Kernstadt ergeben, ggf. auch in den Obergeschossen. Eine Reintegration des Handwerks würde darüber hinaus der Kernstadt zu mehr Authentizität und Individualisierung verhelfen.

Bei der Frage nach den in der Kernstadt zu verortenden Nutzungen ist es bei dem Planungshorizont des Stadtentwicklungskonzeptes überaus wichtig, eine gewisse Flächen- und Gebäudeflexibilität sicherzustellen. Wir wissen nicht mit letzter Sicherheit, wie das städtische Leben sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird, wie die Menschen konsumieren, wohnen, arbeiten, mobil sein werden oder wollen. Wird weiterhin die Nachfrage nach Wohnraum in Düsseldorf vorherrschen, oder das Umland an Attraktivität gewinnen? In welchem Umfang werden Büronutzungen in der Stadt noch nachgefragt? Hier sind flexible Gebäudestrukturen gefragt, die unterschiedlichste Nutzungen zulassen – im Übrigen auch unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit (z.B. die Diskussion um einen etwaigen Abriss des erst im Jahr 2010 eröffnete B8-Centers in Flingern illustriert die Notwendigkeit, sich zukunftsorientiert auch mit diesen Fragen auseinanderzusetzen).

Damit die Kernstadt auch künftig ihrer Funktion gerecht werden kann, muss sie erreichbar bleiben. Überlegungen, die Erreichbarkeit der Kernstadt für den MIV zu erschweren, sollten auch die parallel wachsende erhebliche Konkurrenz durch den Onlinehandel und die Gefahr der Umlenkung von Konsumenten auf großflächigen Einzelhandel in nicht integrierten Lagen berücksichtigen („grüne Wiese“). Diese Tendenzen dürfen keinesfalls verstärkt werden, da sie eine Schwächung der Innenstadt zur Folge hätten. Die Forderung nach gänzlich autofreien Innenstädten können wir allein aufgrund ihres unbestimmten räumlichen Ausmaßes nicht mittragen und halten sie vor dem oben skizzierten Hintergrund zudem weder für sachgerecht noch realistisch.

Das Handwerk unterstützt neue verkehrspolitische Ansätze, die dazu beitragen die Luftschadstoff- und Lärmemissionen zu reduzieren. Allerdings dürfen Maßnahmen der Verkehrspolitik nicht durch undifferenziert auf alle Verkehrsteilnehmer zielende, pauschale Einschränkung von motorisierten Verkehren die Mobilität des Handwerks und die Vitalität innerörtlicher Standorte gefährden. Das Handwerk muss mobil sein. Service- und Baustellenbetriebe müssen ihre Kunden am jeweiligen Einsatzort ebenso erreichen können, wie Kunden die Betriebe. Handwerksbetriebe bleiben zur Abwicklung von Kundenaufträgen, kurzfristigen Notdiensten oder komplexen Baustelleneinsätzen auf die flexible Nutzbarkeit von eigenen Fahrzeugen mit spezifischer Ausrüstung angewiesen. Sie benötigen daher auch kundennahe Stellplätze und Ladeflächen zur Erbringung ihrer Dienstleistungen am Auftragsort.

Entlastung lässt sich aber auch durch verstärkte Nutzung des Umweltverbundes erreichen. (s. Beitrag: Umgestaltung und Aufwertung bedeutender Straßen (Einschätzungen des Handwerks)).

Handwerkskammer Düsseldorf und Kreishandwerkerschaft Düsseldorf

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