Flächengewinn durch gestapelte Nutzungen (IHK Düsseldorf)

Welche Nutzungen wären auf den Deckeln wünschenswert?

Flächen sind in Düsseldorf kaum verfügbar. Demzufolge ist jeder Flächengewinn ohne zusätzliche Versiegelungen, wie bei der Überbauung großer und kleiner Trassen, ein Gewinn, wenn sie die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur nicht einschränkt. Fraglich ist, inwiefern durch die Bebauung zusätzliche Konflikte, z.B. durch Lärmemissionen oder Erschütterungen entstehen. Da neben dem Bedarf an neuem Wohnraum auch Gewerbeflächen in Düsseldorf knapp sind und diese in der Regel unempfindlich gegenüber Konflikten sind, empfiehlt die IHK die Nutzung der überdeckelten Trassen als Gewerbeflächen. Überdies wären auch zusätzliche Verkehrswege an mancher Stelle denkbar im Sinne der „gestapelten Nutzung“ bei der Verkehrsinfrastruktur, denn auch die Kapazitäten etwa im Schienennetz, das Düsseldorf durchläuft, sind seit Jahren überlastet und mit der vorhandenen Infrastruktur nur begrenzt erweiterbar.

Welchen Mehrwert hätten Überdeckelungen für das betroffene Quartier?

Durch die Deckelung großer Trassen könnte städtebaulich erhebliche Qualität gewonnen, zusätzlicher Freiraum und/oder zusätzliches Bauland geschaffen, Trennwirkungen bestehender Strukturen überwunden und Emissionen verringert werden. Quartiere können erheblich durch die Überdeckelung gewinnen. Ein Beispiel für einen Qualitätsgewinn durch ein vergleichbares Vorgehen ist der Abriss des Tausendfüßlers in der Innenstadt und der Bau von Kö-Bogen-Tunnel und Wehrhahnlinie. Dieser Prozess hat städtebaulich erhebliche Möglichkeiten geschaffen, die auf den gesamten Innenstadtbereich ausstrahlen und erhebliche (private) Investitionen nach sich gezogen haben.
Das Potenzial solcher Maßnahmen ist demzufolge groß, wenn wenig attraktive (und unerwünschte) Nutzungen wie Verkehr unterirdisch erfolgen, solange die Funktion der bestehenden und ggf. zu erweiternden Trassen nicht beeinträchtigt wird.

Wie kann die finanzielle Machbarkeit eines solchen Projektes gewährleistet werden?

Neben der finanziellen Machbarkeit, die etwa vom Wert der Flächen und den mit der Bebauung zu erzielenden Erlösen abhängt, spielt zunächst die technische Machbarkeit eine Rolle. Das in der Öffentlichkeit gezeigte Bild einer überbauten Bahntrasse in Düsseldorf Wehrhahn ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen einer genehmigungsfähigen Bahnstrecke technisch schwer möglich oder hätte Kapazitätseinschränkungen im Streckennetz zur Folge. Es müssten aufgrund er Vorgaben zu Verkehrssicherheit im Bahnverkehr entsprechende Tunnelbauwerke mit Fluchtmöglichkeiten errichtet werden, die in ihrer Ost-West-Ausdehnung bei gleicher Gleisanzahl über die bestehende Breite der Gleisanlagen hinausgehen. Folglich müssten zusätzliche Grundstücke erworben werden, um die Kapazität zu erhalten oder andere technische Lösungen (z.B. Tunnel in mehreren Ebenen) gefunden oder die technischen Regelwerke angepasst werden. Während also die finanzielle Machbarkeit primär über den Markt geregelt wird, ist der Staat bei den rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen gefragt, die die Grundlage für solche Investitionen bilden.

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