Straßen bleiben auch zukünftig Lebensadern der Stadt

Wie kann die Mobilität von morgen entlang der großen Verkehrsachsen aussehen?

Die zukünftige Mobilität in Düsseldorf als Großstadt wird vielfältiger werden als sie es heute ist. Die wichtige Funktion der großen Achsen für die Erreichbarkeit Düsseldorfs muss dabei jedoch gestärkt werden, da die Achsen die Lebensadern der Stadt sind und als solche nicht nur den Bewohnern Düsseldorfs für Freizeit, Beruf und Versorgung zur Verfügung stehen. Sie dienen vielmehr auch den Düsseldorfer Unternehmen als Achsen für den Güterverkehr sowie für Kunden und Mitarbeiter, die Unternehmen erreichen wollen. Dabei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass zwar beim Umstieg vom privaten Pkw auf ÖPNV und Fahrrad erhebliches Potenzial besteht, der Güterverkehr aber nur in sehr begrenztem Maße ausweichen kann. Sprich: die Palettenlieferung für einen Gewerbetreibenden in einem Quartier oder die Getränkelieferungen für die Wirte in der Altstadt wird voraussichtlich auch in Zukunft mit einem (alternativ betriebenen) Lkw erfolgen. Demzufolge muss die vorhandene Infrastruktur – nicht nur auf den großen Achsen – darauf ausgelegt sein.
Überdies sollte Mobilität entlang der großen Achsen vor allem das schnelle und umstiegsfreie Vorankommen gewährleisten. Das bedeutet P+R außerhalb des Stadtgebietes möglichst nah bei Pendlern und Kunden, direkte Bahnverbindungen mit dem gesamten Umland, direkte und schnelle Bus- und Stadtbahnverbindungen zu den wichtigen Zielen für Pendler und Kunden. Dadurch werden positive Anreize zum Verzicht auf das eigene Auto gesetzt.

Welche Verkehrsmittel sollten Vorrang bekommen?

Es kann und sollte keine grundsätzliche Bevorzugung eines Verkehrsmittels geben. Es kann nur situativ bzw. lokalspezifisch entschieden werden, was an welcher Stelle sinnvoll ist. Um die Erreichbarkeit der Landeshauptstadt auch langfristig sicherzustellen, brauchen wir grundsätzlich alle Verkehrsmittel. Die Mobilität in Düsseldorf sollte zukünftig jedoch effizienter gestaltet werden. Dabei stellt der ÖPNV das Rückgrat des städtischen Verkehrssystems dar, ohne andere Angebote wie das Auto oder das Fahrrad auszuschließen. Ein Anreiz zum Umstieg auf den ÖPNV kann ein Vorrang des ÖPNV gegenüber anderen Verkehrsmitteln sein. Es stellt sich dann allerdings die Frage der Wechselwirkungen und der Beeinträchtigung anderer Verkehrsmittel mit den entsprechenden Folgen für Verkehrsfluss, Wirtschaft und Umwelt. Ein Vorrang für den ÖPNV sollte daher durch entsprechende Angebotsverbesserungen (Taktverdichtung, mehr und bessere angebundene P+R-Plätze) erfolgen.
Der Vorrang der Verkehrsmittel hängt insoweit von der betrachteten Infrastruktur ab. Die IHK spricht sich als Alternative zum bisher verfolgten Radhauptwegenetz beispielsweise für ein Fahrradstraßennetz parallel zu den großen Achsen (z.B. Talstraße oder Klosterstraße) aus. Dem Fahrrad würde dadurch Vorrang vor anderen Verkehrsmitteln, insbesondere dem Pkw, gewährt, ohne dabei zu großen Beeinträchtigungen zu führen. Konflikte, wie sie auf den Hauptachsen zu erwarten sind, würden vermieden und die vorhandene – und kaum erweiterbare – Infrastruktur würde durch eine solche Maßnahme effizienter genutzt.

Welche Qualitäten müssen die Hauptverkehrsstraßen mit sich bringen, um eine Nachverdichtung verträglich zu gestalten?

Die Frage sollte bei Hauptverkehrsstraßen aus der Perspektive der verkehrsverträglichen Nachverdichtung betrachtet werden, da andernfalls die Funktion der Hauptverkehrsstraßen, die gute Erreichbarkeit des Düsseldorfer Stadtgebietes sowohl für innerstädtische Verkehr als auch für Verkehr von außen zu gewährleisten, gefährdet wird.
Das Bestreben der Nachverdichtung an gut (mit dem ÖPNV) erreichbaren Punkten (z.B. Glashüttengelände) unterstützt die IHK, da dadurch dem Mobilitätsbedürfnis von Bevölkerung und Wirtschaft Rechnung getragen wird. Bei der Nachverdichtung an Hauptverkehrsstraßen sind Konflikte insbesondere beim Lärm- und Emissionsschutz zu beachten. Bereits heute liegen die relevanten Belastungspunkte, die Lärm- oder Luftreinhaltepläne auslösen, an Hauptverkehrsachsen. Eine Nachverdichtung der Wohnnutzung an dieser Stelle ist daher nicht zu empfehlen, da sie die Nutzbarkeit der Straßen durch die nachgelagert notwendigen Schutzmaßnahmen erheblich einschränken würde. Sinnvoll kann jedoch die Nachverdichtung durch Gewerbestandorte, z.B. Büros oder Hotels, sein. Diese können etwa beim Lärm als Schutz für Wohnen in zweiter Reihe wirken.

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