2. Düsseldorfs Schatz ist die stadträumliche Vielfalt

2.1. Düsseldorf rückt seine Stadtteile in den Mittelpunkt der Stadtentwicklung und stärkt die Polyzentralität der Stadt

Ein in der Leipzig-Charta beschriebenes Grundprinzip der europäischen Stadt ist ihre Polyzentralität, verstanden als eine Vielfalt urbaner Zentren mit eigener Attraktivität. Düsseldorf ist auch abseits seiner Innenstadt von einer Vielfalt unterschiedlichster Stadtviertel geprägt, die alle ihre eigenen Identitäten, Alltagsräume und kleineren Zentren bieten. In diesen Vierteln spiegelt sich die Vielfalt der Stadtgesellschaft Düsseldorfs wider, hier bietet die Stadt die Heimaten für die vielfältigen Lebensentwürfe der Menschen. Die Vielfalt der Stadtteile lässt sich als „DNA“ der Stadt verstehen, die es zu ergründen und zu kultivieren gilt.

Diese gewachsene polyzentrische Struktur der Stadt ist ein wichtiger Teil ihrer DNA – ein Schatz, der in der künftigen räumlichen Entwicklung noch stärker als bisher in Wert gesetzt werden soll. Zum einen gilt es, die Zentren der Stadtteile durch Raum für nachbarschaftsbezogene Funktionen zu sichern und zu stärken. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Vielfalt der Stadtviertel im Zuge der Innenentwicklung nicht verwischt und aufgehoben wird.

Als Instrument hierfür wird im Raumwerk vorgeschlagen, im Rahmen eines Folgeprozesses für je ein beispielhaft ausgewähltes Stadtviertel innerhalb der drei Teilräume der Stadt einen stadträumlichen „Entwicklungscode“ im Dialog vor Ort zu entwickeln. Ein Entwicklungscode ist eine qualitative Beschreibung der stadträumlichen und alltagsweltlichen Eigenheiten, die als Richtschnur für neue Projekte gilt und als Grundlage für die weitere partizipative Entwicklung der Stadtteile dienen kann. Die Festlegung dieser Stadtviertel erfolgt nach Maßgabe der Gremien durch Aufnahme in das Aktionsprogramm.

Die Definition der Entwicklungscodes wird als eigenständiges Instrument verstanden, das auf der Grundlage des Raumwerks in eigenständigen Prozessen erfolgen sollte.

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2.2. Düsseldorf setzt auf die Dynamik und Vielfalt des Zentrengürtels

Im Raumwerk werden drei grundsätzliche Teilräume der Stadt grob unterschieden, deren Zentren jeweils eigene Qualitäten aufweisen – der dichte Kernbereich, der Zentrengürtel (Gürtel aus Stadteilzentren, Wohnungsbau, Industrie und historischem Erbe) und die äußere Stadt mit teilweise schon dörflichen Strukturen (siehe Raumgerüst).

Zwischen dem Kernbereich, der in weiten Teilen durch den Lastring abgegrenzt und der äußeren Stadt entfaltet sich der Zentrengürtel (siehe Raumgerüst) mit seinen vielfältigen Stadtvierteln. Dieser Raum ist auf besondere Weise von spannungsreichen Kontrasten und einer Vielfalt räumlicher Möglichkeiten geprägt und damit der Stadtraum in dem sich künftig weiterhin viel verändern wird.

Hier befinden sich – teils direkt angrenzend an den Kernbereich – die großen industriellen und wissensökonomischen Motoren der Stadt neben idyllischen, kleinteiligen Nachbarschaften, durchsetzt von dichten urbanen Neubauquartieren und wertvollen grünen Nischenräumen, durchschnitten von den großen Infrastrukturtrassen, die Düsseldorf mit der Region und Europa verbinden.

Das auf den ersten Blick ungeordnete Patchwork dieser Räume ist bei näherer Analyse ein Mosaik der lokalen Milieus und Möglichkeitsräumen. Die Vielfalt der Möglichkeiten – der kleinen Brachen, der untergenutzten Grundstücke, der versteckten Idyllen, Räume für und von freien Akteure*innen der (Sub)Kultur, lokale ökonomische Anknüpfungspunkte – machen den Zentrengürtel zum dem Raum, in dem sich Düsseldorf neu erfinden kann. Hier können neue ökonomische Dynamiken, beispielsweise der Kreativwirtschaft in Verbindung mit den existierenden produktiven Orten entfacht werden, hier können an vielen Orten bisher ungenutzte Potenziale des Weiterbauens realisiert werden.

Die urbane Entwicklung dieses Raums folgt einem anderen Muster, als die des Kernbereichs und einem eigenen Verständnis von „schöner Stadt“. Hier geht es stärker als im Kernbereich um das Herausarbeiten urbaner Kontraste, um den Mut zu Maßstabssprüngen, um das Erproben neuer (Bau-)Typologien und Nutzungsmischungen. Bei all der damit entstehenden Vielfalt gilt es, Eigenheiten zu fixierenden, Schönheiten und Identitäten der einzelnen Stadtviertel und Orte zu spiegeln und zu stärken – auf dass das Mosaik des Zentrengürtels kraftvoll, aber weiter in seiner heutigen Qualität strahlt.

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