3. Düsseldorf stärkt seine Qualität als gemischte und kompakte Stadt

3.1. Düsseldorf setzt auf integrierte und vielfältige Nutzungsmischung

Zu einem der wichtigsten Grundprinzipien der europäischen Stadt und damit der kompakten Stadt der kurzen Wege zählt die Nutzungsmischung. Die enge Verzahnung von Wohnen, Arbeiten, Handel, Lernen, der Vielfalt von Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Freizeitangeboten prägt fast alle Städte Europas; so auch Düsseldorf mit seiner polyzentralen Struktur und den vielfältigen Stadtvierteln.

Allerdings muss – nun nochmals verstärkt aufgrund zahlreicher Erkenntnisse durch die COVID-19 Pandemie – Nutzungsmischung neu gedacht und ausgehandelt werden. Neue Bautypologien, Wohnbedürfnisse und Produktionstechniken ermöglichen heute weitergehende Formen der Nutzungsmischung wie das haus- oder blockbezogene „stapeln“ unterschiedlicher Funktionen. Diese neuen Formen führen jedoch häufig zu neuen Nutzungskonflikten, die sich mit planerischen Regularien und Marktmechanismen überlagern.

Düsseldorf nimmt diese Herausforderung mutig an und macht die Nutzungsmischung auf unterschiedlichen Maßstabsebenen zum weitgehenden Grundprinzip der Stadtentwicklung. Dabei wird das Prinzip der Nutzungsmischung weitergedacht – in Form der Erprobung neuer Mischungsformen und -intensitäten in eigens dafür definierten Experimentierräumen.

Um dabei bestehende Qualitäten zu schützen, definiert das Raumwerk unterschiedliche Grade und Maßstäblichkeiten der Mischung (siehe Raumgerüst). So gibt es Räume maximaler kleinräumiger Mischung wie den Großteil des Kernbereichs oder die urbanen Kerne des Zentrengürtels, in denen eine möglichst granulare und differenzierte Nutzung angestrebt wird. In Räumen der Mischung auf Stadtteilebene wie Lierenfeld und Flingern-Süd geht es eher um das Verschränken größerer Wohn- und Arbeitsquartiere durch die Ausprägung von Nutzungsmischungen in den Übergangsbereichen sowie die Erhöhung der Nutzungsmischung entlang des im Raumgerüst definierten „urbanen Netzes“. Zudem werden Nutzungs-Schutzbereiche definiert, in denen die bestehende Monofunktionalität als entweder stadtbildprägend oder ökonomisch zwingend gesehen wird und damit nicht angetastet wird – zum Beispiel die Industrieareale von Henkel und Vallourec oder die Gartenstadt Golzheim.

Durch diesen abgestuften Umgang mit dem Thema Nutzungsmischung schafft das Raumwerk ein Instrumentarium, um Nutzungsmischung mit Augenmaß zu maximieren.

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3.2. Düsseldorf nutzt seine Potenziale für Innenentwicklung auf konsequente und intelligente Weise

Düsseldorf ist eine wachsende Stadt und wird auch in den nächsten Jahrzehnten einen anhaltenden Bedarf an neuem Wohnraum und neuen Orten der Produktivität haben – und damit auch an Flächen für Kultur, Bildung, Mobilität, Erholung und Natur.

Nach der Periode der Suburbanisierung im 20. Jahrhundert hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als weiteres wichtiges Grundprinzip der europäischen Stadt die „Innenentwicklung“ durchgesetzt – also die Verdichtung der bestehenden Stadt. Der Verbrauch neuer Fläche durch das Stadtwachstum soll hingegen minimiert werden, die Entwicklung neuer Stadtteile auf der grünen Wiese wird möglichst vermieden. Damit sollen die Städte dem Klimawandel und der weiteren Zersiedelung mit all ihren Folgen entgegentreten.

Düsseldorf setzt auf konsequente Innenentwicklung durch die Umwandlung von nicht mehr oder untergenutzten Flächen und die Weiterentwicklung bestehender Stadtviertel mit Augenmaß. So wird die jahrelang praktizierte Prämisse Innen- vor Außenentwicklung weiterverfolgt und intensiviert.

Innenentwicklung findet in Düsseldorf auf vier Ebenen statt. Mit jeder baulichen Verdichtung muss auch eine Verdichtung bzw. Erweiterung und Aufwertung der Grün- und Freiräume erfolgen sowie eine Neuverteilung des öffentlichen Raums, was zwingend eine Justierung der Mobilität auf Quartiersebene bedeutet. Zudem müssen im gleichen Maße, wie die Nutzungsintensität steigt, soziale und kulturelle Orte neu geschaffen oder weiterentwickelt werden. Mit diesen vier Ebenen der Innenentwicklung – bauliche Verdichtung, Freiraumqualifikation, Umbau der Mobilität und Schaffung gemeinschaftliche Nutzungen – sowie der gradierten und ausgehandelten Umsetzung vor Ort wird ein intelligentes Instrumentarium geschaffen, das bestehende Qualitäten achtet.

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